Die Idee in die Tat umgesetzt

Wer sich die Mühlengeschichte zum Hobby macht, wird bald feststellen, dass er hiermit ein unerschöpfliches Forschungsgebiet betreten hat. Die Römer brachten die Technik des wassergetriebenen Mühlrades in ihre germanischen Rheinprovinzen mit. Eintausend Jahre n. Chr. waren Wassermühlen in allen damals besiedelten Gebieten Deutschlands verbreitet und verbessert, wozu missionierende Mönche, Soldaten und wandernde Handwerker beigetragen hatten. Unter Ausnutzung der topographischen Geländeverhältnisse und des Wasserangebotes nutzte man den Energieträger Wasser mittels unter-, ober- und mittelschlächtiger Wasserräder zum Antrieb der Mahl-, Schrot- und Schälgänge bei Getreidemühlen. Es entstanden mit der Zeit Sägewerke, Schleif-, Öl-, Pulver-, Knochen- und Farbmühlen, Hanfreiben und Pochwerke.

Dieses faszinierende Gewerke und die Menschen, die es handhabten und in ihrer Abgeschiedenheit sich ihre eigenen Gedanken machten, die oft besondere Persönlichkeiten waren, haben immer wieder mein Interesse gefesselt. In vielen Hausbüchern und Bibeln hinterließen sie Eintragungen aus längst vergessenen Zeiten.
Die Freude ist natürlich groß, wenn einem Heimat- und Geschichtsinteressierten ein solches altes Schriftstück in die Hände fällt. Glücklicherweise haben wir in der Pfalz das gut zugängliche und mit hilfreichem, qualifiziertem Personal besetzte Landesarchiv Speyer. Mit seinem vielseitigen Urkundenbestand konnte es dem Suchenden schon oft überraschende Einblicke in die Vergangenheit gewähren.

Wertvolle Informationen bekam ich - es mögen jetzt 25 Jahre her sein - auch durch eine Begegnung mit dem Nestor der Pfälzischen Mühlenkunde, Herrn Konrektor Friedrich Weber, in Eisenberg, der selbst Sohn eines Müllers war. Eines Tages hatte er mich angeschrieben, ihm etwas Material über die Kleinkarlbacher Mühlen zur Verfügung zu stellen für sein erstes Mühlenbuch. Gleichzeitig hatte er mir empfohlen, die örtliche Mühlengeschichte selbst aufzulisten, da er die vielen Mühlen der Pfalz nur allgemein bearbeiten könne und er es den örtlichen Heimatforschern überlassen wolle, die Mühlengeschichte im Detail aufzubereiten.

Aus den sechs Kleinkarlbacher Mühlen wurden die fünfunddreißig Mühlen des Eckbachs an seinem 43 km langen Lauf, und so reifte in mir immer mehr der Gedanke, einen Mühlenwanderweg am Eckbach, entlang von der Quelle bis zur Mündung in den Rhein, ins Leben zu rufen.
Die Anfänge in Form von kleinen Zeitungsartikeln und geführten Mühlenwanderungen für ein interessiertes Publikum reichten bis in die frühen siebziger Jahre zurück. Als mir die Pensionierung mehr Zeit schenkte, begann ich, meinen Plan in die Tat umzusetzen. Im Herbst 1995 versuchte ich nun, telefonisch bei allen Bürgermeistern und Vorsitzenden der Heimat- und Kulturvereine der Anliegergemeinden meine Idee vorzustellen. Ohne Ausnahme wurde das Vorhaben sehr begrüßt. Da schon in früheren Zeiten (ab 1856) der Großkarlbacher Bürgermeister traditionsgemäß der Vorsitzende der Eckbachweiher-Gesellschaft war, bat ich nun Herrn Zimmermann, die Aktivitäten zu koordinieren und zur ersten Sitzung einzuladen. Hierzu gab ich ihm die Adressen der Mühlenbesitzer und der Vereine, während er seine Bürgermeister-Kollegen über die Verwaltungsschiene ansprechen konnte.

Zur ersten Sitzung am 11. Juni 1996 um 20 Uhr im Wiesengrund in Großkarlbach erschienen fast alle Bürgermeister oder ihre Vertreter, die Vereinsvorsitzenden und Mühlenbesitzer des Bereichs.
Ich machte meine Vorstellungen deutlich und bat Herrn Zimmermann, als Vorsitzender zu fungieren, was die Anwesenden sofort akzeptierten.

Da noch viel Forschungsarbeit bezüglich der Historie der einzelnen Mühlen zu leisten war, bedeutete es für mich eine große Entlastung, daß Herr Zimmermann viel Organisatorisches in die Hand nahm und z. B. mit Fleiß und Ausdauer die Beschilderung des Mühlen¬wander-weges vorangebracht hatte.
Zur Umsetzung meiner Forschungsergebnisse erklärten sich ebenfalls manche bereit und leisteten mir wertvolle Hilfestellung. In den Forschungen wurde ich sehr hilfreich unterstützt von Frau Breßler, Laumersheim, Herrn Jakobs, Kirchheim, Herrn Lux, Bissersheim, und Udo Marker, Obersülzen.
Die vier Grundschulen der Anliegergemeinden haben sich verdient gemacht beim Ideenwettbewerb für das Logo des Wanderweges; ein herzliches Dankeschön an die Kinder, Schulleiter und Lehrer!
Des weiteren danke ich Herrn Landrat Georg Kalbfuß, Herrn Verbandsbürgermeister Eugen Ackermann und Herrn Beigeordneten Werner Kretz sowie so manchem Mitarbeiter der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land für ihre Beratung, Unterstützung und Mithilfe.

Auch danke ich den örtlichen Heimat- und Kulturvereinen für das Aufstellen der Schilder, der Familie Lenhard für die Bereitstellung ihrer Mühle zur Eröffnungsfeier, meiner Frau Ingrid für die Durchsicht der Manuskripte und allen anderen, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen, um gemeinsam den Mühlen¬wanderweg am 12.10.1997 im Beisein des Minister¬präsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, einweihen zu können. Ein besonderer Dank auch den Mühlenbesitzern für ihre freundliche Unterstützung.
"Glück zu"

Wolfgang Niederhöfer
Mitglied des DGM
Deutsche Gesellschaft
für Mühlenkunde und
Mühlenerhaltung e.V.

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