Ohne Mühle kein Schrot, ohne Schrot kein Brot

Zur Geschichte der Mühlen und ihrer Verflechtung mit der Entwicklung der Landwirtschaft

Bereits gegen Ende der Jungsteinzeit ca. 2000 v. Chr. erforderte der schon damals hoch entwickelte Ackerbau eine geeignete Technik, um die Körnerernte aus den damaligen Getreidearten zu Schrot weiterzuverarbeiten. In Gebrauch waren verschiedene Arten von Handmühlen und Reibesteinen sowie in keltischer Zeit Schwenkmühlen, die bereits aus einem achsenzentrierten Boden- und Läuferstein bestanden und von Hand gedreht wurden.

Um die Zeitenwende eroberten römische Kohorten die keltisch-germanischen Gebiete links und rechts des Rheins. Die Besatzer brachten nicht nur den Weinbau mit in die Pfalz, sondern auch das gesamte technische Wissen der damaligen Zeit. Dazu gehörte auch eine weiterentwickelte Mühlentechnik, welche sich später mit der von hier ausgehenden Christianisierung über ganz Deutschland ausbreitete.

Die große Neuerung bestand darin, mit Hilfe von Wasserrad und geeigneter Kraftübertragung auf die Mahlsteine den Energieträger Wasser so zu nutzen, daß die Knochenarbeit des Handmühlenbetriebs überflüssig wurde. Damit konnte auch dem Nahrungsbedarf der ständig wachsenden Bevölkerung besser entsprochen werden.

Sehr schnell entwickelten sich zur Römerzeit außer den Getreidemühlen auch Wassertriebwerke zum Sägen von Holz und wahrscheinlich auch solche zum Mahlen und Stampfen von Ölfrüchten.
In späteren Zeiten baute man Schleifmühlen zum Schärfen der Werkzeuge und landwirtschaftlichen Geräte, Walkmühlen zur Gewinnung von wetterfesten Lodenstoffen, Hanfreiben zur Herstellung von Seilen, Lohstampfen zur Zer¬kleinerung der bei der Ledergerbung benötigten Eichenrinde. So entwickelten sich durch die Jahrhunderte immer mehr Mühlentypen.

Viele Klöster nahmen das Wasserrecht für sich in Anspruch und verlangten von den Mühlenbesitzern Abgaben als Wasserpacht. Ebenso erhoben auch die weltlichen Herrschaften Grundsteuer, u. a. in Form von Naturalabgaben. So mußten viele Müller ein oder mehrere Schweine und Ochsen mästen, au¬ßerdem Geld- und Getreideabgaben leisten. Bauern, welche herrschaftliche Äcker in Erbbestand (gepachtet) hatten, waren gebannt (verpflichtet), das dort geerntete Getreide in den der Herrschaft eigenen Bann- und Backmühlen mahlen und auch dort ihr Brot backen zu lassen. Als Backlohn durften die Müller zwischen 9 und 12 Prozent des Mahlgutes einbehalten und als Han¬delsmehl wieder weiterverkaufen.

In der Pfalz hatten wir vor 150 Jahren nach Angaben des bekannten Mühlen¬forschers F. WEBER rund 730 Wassermühlen mit 1751 Mahlgängen.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung ein Mühlensterben ein, das sich bis 1970 fortsetzte. Der Energieträger Wasser, abhängig von Jahreszeit und Niederschlägen, wurde weitgehend ersetzt durch Dampf-, Diesel- und Elektroenergie. Dem Verdrängungswettbewerb fielen die meisten der kleinen Mühlen zum Opfer. Heute werden die großen Mengen Getreide, die der moderne Ackerbau ermöglicht, in Großmühlen zu vielfältigen Produkten verarbeitet. Damit ist eine fast zweitausend Jahre alte ländlich-bäuerliche Tradition untergegangen.

Manche der ehemaligen Mühlengebäude sind heute privat genutzt und liebevoll restauriert. Lassen wir auch die Erinnerung an die Müller nicht verloren gehen, wie sie oft weitab von dörflichen Ansiedlungen, ein eigenbrötlerisches Dasein führten zwischen harter Arbeit und abgeschiedener Nachdenklichkeit, oft heimgesucht von Schicksalsschlägen und Naturkatastrophen, raubendem und plünderndem Kriegsvolk, Eisgang, Hochwasser und Feuersbrunst. Häufig haben Müller ihre Hauschroniken geführt und der Nachwelt manches überliefert an geschichtlichem Geistesgut.

Glück zu !

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